Selam Ethiopia 01

Am 10.Oktober 2009 kamen wir abends bei strömendem Regen in Addis Ababa an. Da an diesem Tag in der ganzen Stadt kein Benzin zu bekommen war, verbrachten wir die erste Nacht im Hotel, da die Tankfüllung nicht mehr bis zu unserem Apartment gereicht hätte.

Am nächsten Morgen konnten wir dann unser vorab aus der Schweiz geschicktes Hab und Gut in zwei Autos verstauen und in unser neues Zuhause im Kebele 06, Ketema, nahe der Deutschen Botschaft bringen. Leider regnete es noch immer in Strömen und das Ausladen wurde zu einer kleinen Tortur.

Mittlerweile sind wir aber fast komplett eingerichtet, nachdem die letzten Heerscharen von Kellerasseln (wohl ein Überrest der gerade endenden Regenzeittage) beseitigt und die wichtigsten Utensilien an ihrem Platz sind. Das Haus wurde von dem deutschen Arzt Martin Dietz in mehreren Etappen gebaut. Insgesamt existieren vier Ebenen mit vorgesetzten Terrassen, von denen wir die obersten beiden bewohnen. Der Blick über Addis Ababa ist überwältigend, die Stadt ist nach der gerade zu Ende gegangenen Regenzeit üppig grün und wir schauen direkt auf den Entoto, den heiligen Berg Addis Ababas. Noch faszinierender sind die Geräusche, welche tags und nachts gleichermassen auf uns hereinprasseln. Die Kirche in der Nachbarschaft ruft mit mysteriös anmutenden Priestergesängen bereits um 4 Uhr morgens die Gläubigen zur Messe und um 5 Uhr - gegen Sonnenaufgang - scheint die Stadt unter uns bereits zu brodeln. Esel, Kinder, unendlich laute Radios, Tiere aller Art und weitere Heiligengesänge bilden einen nie enden wollenden wundersamen Klangteppich.

Gegen Abend hören wir die Rufe der Hyänen, welche in den Bergen und Wäldern hinter uns hausen. Die Hunde und Haustiere der ganzen Nachbarschaft spielen dann verrückt, als würde ein Sturm über die Hügel ziehen. Apropos Hügel: es gibt hier auch Berge. Sie umlagern quasi die Stadt und beginnen direkt hinter unserem Haus, von wo aus man zu mehrstündigen Wanderungen aufbrechen kann.

Unser Fahrer, Benyam, ist ein absoluter Glückstreffer. Er hat die nötige Ruhe uns durch den abenteuerlichsten Verkehr zu bugsieren. Die Strassen teilen sich dabei nicht nur Unmengen von Taxis, Bussen und Menschen, sondern auch Kühe, Schafe und alles was hier sonst noch über den Tag Nahrung und Abwechslung sucht. Es wird wohl lange dauern, bis wir das Wagnis selbst zu fahren in die Hand nehmen werden.

Von der Herausforderung des Strassenverkehrs abgesehen, stellte sich doch bereits von den ersten Tagen an das Gefühl des sicheren Aufgehobenseins ein. Das beginnt bei der absoluten Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Menschen, und setzt sich fort mit den bereits vertrauten äthiopischen Kollegen bis hin zu unserem Vermieter oder auch Nachbarn, die es sich zum Ziel gemacht haben, jederzeit für uns da zu sein. Andererseits ist uns schon in den ersten Tagen wieder bewusst geworden, worauf das Geheimnis der Sicherheit in dieser Stadt und auch des gesamten Landes beruht: die Durchmischung der gesamten Gesellschaft. Arm lebt hier direkt neben reich, Äthiopier neben Nicht-Äthiopier, Botschafter neben Schuhputzer, und alle profitieren voneinander: so wird mit unserer Miete eine kleine Klinik unterhalten, in der alle behandelt werden, die es nötig haben, wohlhabend oder mittellos. Alle Menschen, die in unserem Compound arbeiten, sei es Gärtner, Maid oder Torwächter leben einen Steinwurf von uns entfernt. So bildet sich eine Schicksalsgemeinschaft, welche voneinander profitiert und sich gegenseitig achtet und schützt. Im Strassenbild zeigt sich dies durch das Nebeneinander von Wellblechhütten und Hochhäusern aus Glas und Stahl.

Unser Projekt, das neue äthiopische Institut für Architektur aufzubauen, erscheint uns zur Zeit als Mammutaufgabe. Es sind solch hohe bürokratische Hürden zu überwinden, dass es einem schwindelig wird. Jedoch konzentrieren wir uns zur Zeit die Ausstellung URBAN LABORARTORY ETHiopia aufzubauen, welche nächsten Freitag, den 23.Oktober eröffnet wird als gemeinsames Projekt der ETH Zürich mit der Addis Ababa University. Dazu bald mehr...

Flug über die Sahara und den Nil.
Unser Apartmenthaus mit Blick über Addis.
Blick über Addis Ababa.
Unsere untere Ebene mit Arbeitsplatz.
Nachts geniessen wir die Aussicht mit Lagerfeuer.
Unser Apartmenthaus
Terrassensicht.
Goldener Sonnenuntergang.
Aus Mangel an Etiketten wird aus Erdbeer Neutral.
Benyam, unser stolzer Fahrer und unser Toyota.
Blick von unserem Haus in Richtung Berge.